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Pilgerfahrt nach Italien zum Weinbrunnen: Guide zur Fontana del Vino
In den Abruzzen fließt am Ende eines 316 km langen Pilgerwegs Rotwein aus einem Brunnen, und das kostenlos. Hier erfährst du, was hinter der Fontana del Vino in Ortona steckt, wann sie geöffnet hat und wie du deine Pilgerfahrt zum Weinbrunnen planst.

Klingt wie ein Märchen, gibt es aber wirklich: In Italien steht ein Brunnen, aus dem kein Wasser kommt, sondern Rotwein. Wer eine Pilgerfahrt nach Italien zum Weinbrunnen plant, landet in den Abruzzen, genauer gesagt in Villa Caldari, einem Ortsteil von Ortona in der Provinz Chieti. Dort steht auf dem Gelände der Cantina Dora Sarchese die Fontana del Vino. Sie gilt als erster dauerhaft betriebener Weinbrunnen Italiens. Gedacht ist sie als Stärkung für die Pilger auf dem Cammino di San Tommaso, dem Pilgerweg von Rom nach Ortona.
In diesem Guide findest du alle wichtigen Infos für 2026: wie der Brunnen entstanden ist, welcher Wein herausfließt, wann er wirklich geöffnet hat und wie der Pilgerweg verläuft. Dazu kommen Tipps zur Weinregion Abruzzen und Hinweise zum richtigen Verhalten vor Ort.
Was hinter der Pilgerfahrt zum Weinbrunnen steckt
Der Weinbrunnen ist keine Idee aus dem Marketing, sondern hat mit Gastfreundschaft zu tun. Pilger, die nach tagelangem Wandern durch den Apennin endlich in Sichtweite der Adria ankommen, bekommen kurz vor dem Ziel ein Glas Wein angeboten. Viele Berichte beschreiben den Brunnen deshalb als Geste an Wanderer und nicht als Attraktion für Instagram.
Ziel des Pilgerwegs ist die Basilika San Tommaso Apostolo in Ortona. Dort werden seit 1258 die Reliquien des Apostels Thomas aufbewahrt. Der Brunnen steht also nur wenige Kilometer vor dem Ende eines Weges, der Rom mit den Gräbern zweier Apostel verbindet: Petrus in Rom und Thomas in Ortona.
Die Fontana del Vino in Ortona im Porträt
Entstehung: Vom Jakobsweg in die Abruzzen
Die Idee kam von Dina Cespa und Luigi Narcisi. Die beiden stammen aus Ortona und setzen sich für den Cammino di San Tommaso ein. Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela hatten sie am Weinbrunnen der Bodegas Irache bei Estella getrunken. Zurück in den Abruzzen wollten sie etwas Ähnliches für ihren eigenen Pilgerweg schaffen.
Sie gingen mit dem Vorschlag zu Nicola D'Auria, dem Chef der Cantina Dora Sarchese. Er ist Präsident des Movimento Turismo del Vino in den Abruzzen und war früher Präsident auf nationaler Ebene. D'Auria machte aus der Idee ein Denkmal für die Gastfreundschaft und den Wein der Region. Umgesetzt wurde das Projekt zusammen mit dem Verein Il Cammino di San Tommaso, entworfen hat es der Architekt Rocco Valentini. Eröffnet wurde der Brunnen im Oktober 2016.
So sieht der Weinbrunnen aus
Der Brunnen sitzt in einem riesigen alten Holzfass. Dahinter steckt ein Gedanke: Wer hineingeht, soll sich fühlen, als wäre er selbst im Wein. Das Fass fasst 10.000 Liter, der Wein kommt aber aus einem unterirdischen Tank mit 3.000 Litern. Im Fass gibt es ein Steinbecken mit zwei Messinghähnen. Ausgeschenkt wird nur Rotwein.
Welcher Wein fließt?
Aus dem Hahn kommt Montepulciano d'Abruzzo, der wichtigste Rotwein der Region. Welche Abfüllung genau in den Brunnen geht, verrät das Weingut nicht. Das ist auch nicht wichtig: Es geht um die Geste und nicht um eine Verkostung.
Öffnungszeiten, Regeln und hartnäckige Mythen
Im Netz liest du immer wieder, der Brunnen sei rund um die Uhr geöffnet. Das stimmt nicht. Er ist nur während der Öffnungszeiten der Cantina Dora Sarchese zugänglich, die ihn auch wartet. Laut den regionalen Tourismusangaben gelten diese Zeiten:
- Montag bis Freitag: 9.30 bis 12.30 Uhr und 15.30 bis 19.00 Uhr
- Samstag: 9.30 bis 12.30 Uhr
- Sonntag: geschlossen
Je nach Saison, an Feiertagen oder bei privaten Veranstaltungen können sich die Zeiten ändern. Eintritt kostet es nicht, einen Kauf musst du auch nicht vorweisen. Gläser gibt es vor Ort. Führungen durch den Keller und Weinproben bietet das Weingut nur mit Anmeldung an.
Der Cammino di San Tommaso: Pilgern von Rom nach Ortona
Wer die Pilgerfahrt ernst nimmt, kommt nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß. Der Cammino di San Tommaso funktioniert nach dem Vorbild des Jakobswegs und verbindet die Regionen Latium und Abruzzen. Der Verein hinter dem Weg wurde 2013 gegründet.

Die Eckdaten im Überblick
- Start: Petersplatz in Rom
- Ziel: Basilika San Tommaso Apostolo in Ortona
- Länge: rund 316 km, je nach Quelle zwischen 311 und 320 km
- Etappen: 16 in der offiziellen Einteilung
- Dauer: etwa 12 bis 16 Tage
- Fortbewegung: zu Fuß, mit dem Rad auf Straße und Schotter oder zu Pferd
Unterwegs führt der Weg durch die Castelli Romani, nach Subiaco, durch große Naturparks und Bergdörfer der Abruzzen bis hinunter an die Adria. Gleich die erste Etappe vom Petersplatz nach Albano Laziale ist 29,5 km lang und hat 710 Höhenmeter im Aufstieg. Die vierte Etappe von Genazzano nach Subiaco gilt mit 25 km und über 1.300 Höhenmetern rauf und runter als besonders anstrengend.
Credenziale und Pilgerurkunde
Wie auf anderen großen Pilgerwegen gibt es einen Pilgerausweis, die Credenziale oder Carta del Pellegrino. Du lässt ihn unterwegs abstempeln. Wer ankommt, kann eine Urkunde bekommen, die den ganzen Weg bestätigt. Den Ausweis bestellst du vor dem Start beim Verein. Mit ihm bekommst du auch eine Liste der Partnerunterkünfte.
Die letzte Etappe durch die Weinberge
Die 16. Etappe von Crecchio nach Ortona ist nur 14 km lang und hat 390 Höhenmeter im Auf- und 590 im Abstieg. Für Weinliebhaber ist sie der Höhepunkt. Sie führt durch Weinberge zur Fontana del Vino und dann zur Basilika. Nach altem Brauch werfen die Pilger an der Küste einen Stein vom Felsen ins Meer und rufen dabei „ritorna“, also „komm zurück“.
Das Vorbild: Die Fuente del Vino von Irache
Ohne den Jakobsweg gäbe es den Weinbrunnen in den Abruzzen nicht. Das Vorbild steht in Ayegui in Navarra, etwa 2 km von Estella entfernt. 1991 baute die Bodegas Irache dort einen Brunnen mit zwei Hähnen in eine Mauer ihres Weinguts direkt am Jakobsweg: Aus dem einen kommt Wasser, aus dem anderen Wein. Das Weingut selbst wurde 1891 gegründet.
Nach Angaben des Weinguts kommen jeden Tag rund 100 Liter junger Rotwein in den Brunnen. Die Tradition dahinter ist alt. Schon die Mönche im benachbarten Kloster Santa María la Real de Irache gaben Pilgern Wein, das Kloster war damals auch ein Pilgerhospital. Wichtig für die Planung: Auch in Irache war der Brunnen anfangs rund um die Uhr offen. Weil manche zu viel abfüllten, gibt es dort heute ebenfalls feste Zeiten.
Wer beide Brunnen kennt, versteht, was sie verbindet. Es geht nicht ums Gratistrinken, sondern um den Gedanken der Pilgerherberge: Wer lange gelaufen ist, wird empfangen und gestärkt.
Gibt es weitere Weinbrunnen in Italien?
Viele suchen nach einer Route mit mehreren Weinbrunnen quer durch Italien. Die gibt es nicht. Andere Weinbrunnen in Italien werden nur kurz während bestimmter Feste aufgestellt. Das bekannteste Beispiel ist die Sagra dell'Uva in Marino in den Castelli Romani. Am Traubenfest Anfang Oktober fließt dort traditionell Wein aus dem Stadtbrunnen. Witzig dabei: Die Castelli Romani liegen an der ersten Etappe des Cammino di San Tommaso. Wer im Oktober startet, könnte also an Anfang und Ende seines Pilgerwegs Wein aus einem Brunnen trinken.
Weinregion Abruzzen: Was du rund um den Brunnen probieren solltest
Die Abruzzen stehen oft im Schatten der Toskana, für Weinfreunde ist die Region aber eine echte Entdeckung. Zwischen Gran Sasso, Majella und Adria ist es tagsüber warm und nachts kühl, weil der Wind von den Bergen herabkommt. Das bringt kräftige und trotzdem frische Weine hervor. Die Gegend um Ortona gehört zur Provinz Chieti, dem Herz des Weinbaus in den Abruzzen.

Montepulciano d'Abruzzo
Die rote Hauptrebsorte der Region darfst du nicht mit dem toskanischen Vino Nobile di Montepulciano verwechseln. Der wird aus Sangiovese gemacht und nach einem Ort benannt. Montepulciano d'Abruzzo ist dagegen eine eigene Rebsorte. Typisch sind dunkle Frucht wie Sauerkirsche und Pflaume, weiche Tannine und viel Farbe. Einfache Versionen trinkst du jung und unkompliziert, Riserva-Weine reifen länger und vertragen Lagerung.
Cerasuolo d'Abruzzo
Dieser tiefrosa Wein wird ebenfalls aus Montepulciano gemacht und hat eine eigene DOC. Er ist kräftiger als die meisten Rosés, schmeckt nach Kirsche und passt zu fast allem, was die Küche an der Küste auf den Tisch bringt.
Trebbiano d'Abruzzo und Pecorino
Bei den Weißen sind der traditionelle Trebbiano d'Abruzzo und der wiederentdeckte Pecorino die wichtigsten Rebsorten. Pecorino hat mehr Körper und würzige Kräuternoten. An heißen Tagen am Meer ist er eine gute Wahl.
Was dazu auf den Teller gehört
Die Küche ist bodenständig. Zum Montepulciano passen Arrosticini, kleine Spieße vom Schaf, die über Holzkohle gegrillt werden. An der Costa dei Trabocchi kommen Fischsuppen und frische Meeresfrüchte auf den Tisch, dazu passen Cerasuolo oder Trebbiano. Wer den regionalen Pecorino-Käse probiert, hat eine gute Begleitung zu den Rotweinen gefunden. Dora Sarchese hat übrigens mit „Casa Dora“ einen eigenen Bereich für Gastronomie und Weintourismus.
Anreise und Reiseplanung
Mit dem Auto
Du musst den Pilgerweg nicht gelaufen sein, um den Brunnen zu besuchen. Mit dem Auto fährst du auf der A14 bis zur Ausfahrt Ortona. Dann geht es auf der Provinzstraße SP Marruccina etwa 5 km Richtung Orsogna. Die Adresse lautet Contrada Caldari Stazione 65. In der Navigation findest du den Ort am leichtesten über „Dora Sarchese“ oder „Fontana del Vino“.
Zu Fuß oder mit dem Rad
Wenn du nicht 16 Tage Zeit hast, kannst du auch nur die letzten Etappen laufen. Startest du etwa in San Martino sulla Marrucina oder Crecchio, kommst du in zwei Tagen durch die Weinberge der Colline Teatine bis nach Ortona. Mit dem Rad ist der Cammino auch als Mountainbike-Route möglich.
Beste Reisezeit
Zum Wandern sind Frühling und Herbst ideal. Von Mai bis Juni blüht der Apennin, im September und Oktober ist Weinlese. Im Hochsommer wird es im Landesinneren und an der Küste sehr heiß, lange Etappen werden dann anstrengend. Jetzt im November ist es angenehm kühl, die Tage sind aber kürzer und in höheren Lagen schließen manche Unterkünfte. Rechne deine Ankunft am Brunnen so, dass du werktags vor 12.30 Uhr oder am Nachmittag vor 19.00 Uhr dort bist.
Kombinieren mit der Costa dei Trabocchi
Rund um Ortona lohnt sich ein Abstecher an die Costa dei Trabocchi. Sie ist nach den hölzernen Fischerplattformen benannt, die über dem Meer stehen. In einigen davon sind heute Restaurants. Ortona selbst hat eine Altstadt mit Blick auf die Adria. Zwei bis drei Tage kannst du hier gut mit Wein, Meer und Kultur verbringen.
Knigge am Weinbrunnen
Der Brunnen funktioniert nur, solange sich alle an die Regeln halten. Das Weingut hat klar gesagt: Der Brunnen ist für Pilger und Besucher gedacht, die sich respektvoll benehmen, und nicht für Saufgelage. Diese Regeln solltest du kennen:

- Ein Glas zum Genießen ist der Sinn der Sache, es geht nicht um Nachschenken ohne Ende
- Keine Flaschen abfüllen. Wer Wein mitnehmen will, kauft ihn im Weingut
- Leise sein, denn du bist auf einem Weingut, in dem gearbeitet wird
- Gruppen sollten sich vorher anmelden, besonders wenn sie Führung oder Weinprobe wollen
- Müll mitnehmen und die Becher richtig entsorgen
Sicherheit: Wein, Wandern und Autofahren
Wein und Wandern vertragen sich, wenn du vernünftig bleibst. Nach einem langen Tag in der Sonne wirkt Alkohol stärker. Trink deshalb zum Wein immer genug Wasser und plane die Pause im Brunnen am besten am Ende der Etappe ein. Wer mit dem Auto kommt, sollte wissen: In Italien liegt die Promillegrenze bei 0,5. Für Fahranfänger in den ersten drei Jahren und für Berufsfahrer gilt 0,0. Schon ein Glas Montepulciano kann eine Rolle spielen. Am sichersten ist es, wenn eine andere Person fährt oder du in der Nähe übernachtest.
Fazit: Lohnt sich die Pilgerfahrt nach Italien zum Weinbrunnen?
Die Fontana del Vino ist mehr als ein Kuriosum. Sie verbindet zwei alte Traditionen: Pilger aufzunehmen und den Wein einer Region zu teilen. Wer die 316 km von Rom nach Ortona läuft, erlebt den Brunnen als verdienten Lohn für die Mühe. Wer mit dem Auto kommt, findet einen guten Anlass, die oft übersehene Weinregion Abruzzen kennenzulernen. Wichtig sind realistische Erwartungen: Es gibt feste Öffnungszeiten, sonntags ist geschlossen, und ein Glas pro Besucher ist das Ziel.