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Einführung: Spätlese, Auslese, Beerenauslese im Überblick

Spätlese, Auslese und Beerenauslese sind Prädikatsstufen im deutschen Weinrecht, die sich vor allem durch den Reifegrad der Trauben und das Mostgewicht unterscheiden. Wer in Deutschland vor Weinregalen steht, begegnet diesen Bezeichnungen ständig, doch die Unterscheidung fällt vielen schwer. Von Spätlese Auslese bis hin zu Auslese Beerenauslese und Beerenauslese und Trockenbeerenauslese steigern sich Konzentration, Süße und Komplexität Stufe für Stufe. Die Eigenschaften dieser Prädikate reichen von elegant bis edelsüß, und mit steigendem Prädikat nehmen Süße und Intensität der Aromen zu. Alle diese Weine zählen als Prädikatsweine zur Spitze der deutschen Qualitätspyramide und sind historisch stark mit Riesling verbunden.

  • Spätlese: ab 85 Grad Oechsle, reife, aromatische Weine

  • Auslese: ab ca. 95 Grad Oechsle, konzentriert, häufig restsüß

  • Beerenauslese: ab ca. 125 Grad Oechsle, edelsüß, selten

  • Trockenbeerenauslese: ab ca. 150 Grad Oechsle, extrem konzentriert, raritär

Deutsche Prädikatsweine: Einordnung von Kabinett bis Trockenbeerenauslese

Das deutsche Weingesetz legt seit 1971 klar definierte Qualitätsstufen fest und nutzt dabei das Mostgewicht in Grad Oechsle als zentrales Kriterium. Die Reihenfolge der Prädikatsstufen lautet: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Eiswein, Trockenbeerenauslese.

  • Prädikatsweine dürfen im Gegensatz zu einfachen Qualitätsweinen (QbA) nicht aufgezuckert werden, keine Chaptalisation erlaubt.

  • Das Weinrecht schreibt für jede Stufe ein Mindestmostgewicht vor, das je nach Anbaugebiet und Rebsorte variiert.

  • Kabinett Spätlese wird oft zusammen genannt, obwohl es sich um zwei klar getrennte Prädikate mit unterschiedlichen Anforderungen handelt.

  • Herkunft, Lage und Erntezeitpunkt spielen neben dem Mostgewicht eine zentrale Rolle für die Qualität.

Kabinett und Spätlese: feine Unterschiede im Glas

Kabinett-Weine bilden die leichteste Prädikatsstufe: Kabinett-Weine müssen mindestens 73 Grad Oechsle erreichen und stammen von reifen, aber nicht überreifen Trauben. Spätlesen sind reife, elegante Weine mit ausgeprägter Frucht und benötigen mindestens 85 Grad Oechsle, die Trauben werden spät gelesen, also nach der regulären Weinlese.

  • Kabinett: leicht, spritzig, meist unter 11 % vol Alkoholgehalt; ideal als Einstieg in deutsche Weinsorten

  • Spätlese: dichter, aromatischer, mehr Körper und Eleganz, auch bei gleicher Rebsorte wie Riesling

  • Ein Riesling Kabinett passt hervorragend zu Vesperplatten oder leichter Pasta

  • Eine Riesling Spätlese harmoniert mit asiatischer Küche, Blauschimmelkäse oder kräftigem Fisch

  • Trockene Spätlesen sind gute Begleiter zu Fisch und Geflügel

  • Auf dem Etikett verrät die Bezeichnung sofort, welche Stufe im Glas landet

Ein sonnendurchfluteter Weinberg im Herbst zeigt goldgelbe, reife Trauben an den Reben, die auf die bevorstehende Weinlese hinweisen. Diese Trauben könnten für hochwertige Prädikatsweine wie Spätlese oder Auslese verwendet werden, die durch ihren hohen Zuckergehalt und die Aromenvielfalt bestechen.

Die Spätlese: Ursprung, Stil und passende Anlässe

Die Spätlese entstand 1775 durch einen Ernteverzug am Schloss Johannisberg im Rheingau. Der Kurier, der die Erlaubnis zur Ernte bringen sollte, kam zu spät, die Trauben entwickelten in der Zwischenzeit Edelfäule. Aus dem vermeintlich ruinierten Lesegut entstand ein außergewöhnlicher Wein, der Geschichte schrieb. Spätlese ist eine der höchsten Prädikatsstufen in Deutschland.

  • Spätlese hat mindestens 85 Grad Oechsle; je nach Region liegt der Bereich bei 85, 95° Oechsle (Mosel tendenziell niedriger, Baden höher)

  • Spätlese kann sowohl süß als auch trocken sein, Spätlesen können trocken bis edelsüß ausgebaut werden, je nach Entscheidung des Winzers über Gärstopp oder Ausbau

  • Typische Aromen bei Riesling Spätlese: reifer Pfirsich, gelber Apfel, getrocknete Aprikose, ein Hauch von Honig und Blütennoten; bei Burgundersorten eher Birne, Nuss, Brioche

  • Serviertemperatur: 9, 11 °C im weißweintypischen Kelchglas

  • Passt zu gebratenem Zander, kräftiger vegetarischer Küche, fruchtigen Desserts und Schokolade mit hohem Kakaoanteil

Auslese: zwischen Spätlese und Beerenauslese

Auslese bezeichnet die dritthöchste Stufe der Prädikatsweine. Auslese-Weine werden aus vollreifen Trauben selektiv gelesen, unreife und kranke Beeren werden im Weinberg von Hand aussortiert. Das Mostgewicht der Auslese ist höher als bei der Spätlese: Auslese-Weine müssen mindestens 95 Grad Oechsle erreichen. In Baden müssen Auslesen sogar 102 bis 105 Grad Oechsle haben.

  • Auslese steht über Spätlese: mehr Konzentration, mehr Extrakt, häufig höhere Restsüße

  • Edelfaule Trauben sind für die Herstellung von Auslesen zulässig, vor allem bei Riesling von Mosel, Nahe und Rheingau ist Botrytis üblich

  • Geschmack: von halbtrocken bis edelsüß; typisch sind Aromen von Honig, getrockneter Mango, kandierter Zitrusfrucht und etwas exotischer Würze

  • Lagerpotenzial: Riesling-Auslesen mit hoher Säurestruktur reifen über Jahrzehnte und gewinnen an Komplexität

  • Eine Flasche Auslese eignet sich als Genuss zu Festessen oder als eigenständiger Dessertwein

Nahaufnahme von überreifen, teilweise edelfaulen Weintrauben an einer Rebe, die im warmen Herbstlicht leuchten. Diese Trauben, die für die Herstellung von Spätlese und Auslese geeignet sind, zeigen einen hohen Reifegrad und eine komplexe Aromatik, die auf die bevorstehende Weinlese hinweist.

Beerenauslese und Trockenbeerenauslese: Edelsüße Spitzen

Beerenauslese und Trockenbeerenauslese bilden die absolute Spitze der deutschen Qualitätsweine. Beerenauslese ist eine der höchsten Prädikatsstufen in Deutschland und wird aus überreifen, meist botrytisbefallenen Einzelbeeren selektiv von Hand gelesen. Beerenauslese kann auch aus rosinierten Trauben entstehen.

  • Beerenauslese hat ein Mindestmostgewicht von 125 Grad Oechsle; Beerenauslese wird aus edelfaulen Trauben hergestellt

  • Beerenauslese hat eine honigähnliche Farbe und zeigt Aromen von Honig, Marzipan und Trockenfrüchten

  • Der Alkoholgehalt von Beerenauslese liegt bei 5, 8 vol.%, die Herstellung erfordert enormen Aufwand, Beerenauslesen sind eher Digestif als Essensbegleiter

  • Trockenbeerenauslese benötigt mindestens 150 Grad Oechsle; Trockenbeerenauslese besteht meist aus edelfaulen Trauben, die nahezu rosinenartig eingeschrumpft sind

  • TBA ist extrem süß, viskos und mit sehr niedrigem Alkohol, manche Spitzenweine erreichen 200, 300° Oechsle

  • Genussmomente: kleine Glasmenge bei 10, 12 °C, passend zu Gänseleber, Blauschimmelkäse oder Desserts mit Aprikose und Crème brûlée

  • Preise: BA ab ca. 20, 30 € pro 0,375-l-Flasche; TBA deutlich höher, Raritäten wie Egon Müllers Scharzhofberger TBA erzielen fünfstellige Beträge

Mostgewicht, Oechsle & Edelfäule: was hinter den Zahlen steckt

Das Mostgewicht in Grad Oechsle misst die Dichte von Traubenmost und damit indirekt den Zuckergehalt. Entwickelt wurde das System von Christian Ferdinand Oechsle im 19. Jahrhundert, heute ist es Standard im deutschen Weinbau und Grundlage der gesamten Qualitätspyramide.

  • Kabinett: ab ca. 73° Oechsle

  • Spätlese: ab 85° Oechsle

  • Auslese: ab 95° Oechsle

  • Beerenauslese: ab 125° Oechsle

  • Trockenbeerenauslese: ab 150° Oechsle

Die Edelfäule (Botrytis cinerea) spielt ab der Auslese aufwärts eine zentrale Rolle: Sie perforiert die Beerenschale, Wasser verdunstet aus den Beeren, und Zucker sowie Aromen konzentrieren sich. Diese Konzentration erhöht die Lagerfähigkeit und führt zu komplexen Aromen von Honig, Karamell, Trockenfrüchten und Gewürzen. Ohne das richtige Klima im Weinberg, feucht-warme Herbsttage, entsteht keine Edelfäule, weshalb BA und TBA nicht in jedem Jahrgang und nicht in allen Ländern produziert werden können.

Spätlese vs. Auslese vs. Beerenauslese: praktische Kauf- und Genusstipps

Diese Prädikate unterscheiden sich durch den Reifegrad der Trauben, und damit durch Geschmack, Einsatzzweck und Preis. Hier die wichtigsten Tipps für Ihren Warenkorb:

  • Spätlese: idealer Einstieg in konzentriertere Weinqualitäten; passt zu gemütlichen Abenden, herzhaften und würzigen Gerichten, ob Rotwein-Schmorfleisch oder gebratener Fisch

  • Auslese: als Dessertwein oder Begleiter zu Festessen; ein Blick auf den Jahrgang lohnt sich, Jahrgänge wie 2005, 2015 oder 2018 gelten als herausragend für Riesling an Mosel und Rheingau

  • Beerenauslese und TBA: rare Spezialitäten für besondere Anlässe, Jubiläen und kleine Runden, vor allem als Meditationswein ohne Begleitung ein Erlebnis voller Frucht und Eleganz

  • Lagerung: dunkler, kühler Ort um 10, 14 °C; edelsüße Weine mit sehr hohem Lagerpotenzial von 20+ Jahren

Ein kleines Glas mit goldgelbem Dessertwein steht neben einem Stück Käse und Trockenfrüchten auf einem rustikalen Holzbrett, das die Aromen und die Eleganz der Spätlese und Auslese Weine perfekt zur Geltung bringt. Die Kombination aus süßem Wein und herzhaftem Käse verspricht einen genussvollen Moment.

FAQ zu Spätlese, Auslese und Beerenauslese

Hier werden die häufigsten Begriffe und Fragen rund um die deutschen Prädikatsweine kompakt beantwortet.

Was ist süßer: Auslese oder Spätlese? Auslese-Trauben weisen eine höhere Traubenreife auf, was grundsätzlich mehr Zucker bedeutet. Der Weinstil, trocken, halbtrocken oder süß, hängt jedoch vom Ausbau des Winzers ab. Eine trockene Auslese kann weniger süß wirken als eine liebliche Spätlese.

Gibt es Spätlese und Auslese nur als Weißwein? Nein. Es gibt auch Spätlesen und Auslesen aus roten Weinsorten wie Spätburgunder oder Dornfelder, also durchaus auch als Rotwein. Edelsüße BA und TBA stammen allerdings am häufigsten aus Riesling.

Was bedeutet „natursüß” bei Beerenauslese und Trockenbeerenauslese? Die Süße stammt ausschließlich aus dem Traubenzucker. Bei Prädikatsweinen ist vor allem kein Zuckerzusatz erlaubt, die Lese der überreifen Beeren liefert die gesamte natürliche Süße.

Wie erkenne ich die Prädikatsstufe auf dem Etikett? Die Begriffe Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese stehen gut sichtbar auf dem Frontetikett oder Rückenetikett jeder Flasche. Ein genauer Blick im Weinhandel lohnt sich, so finden Sie genau die Stufe und den Genuss, der zu Ihrem Anlass passt.

Dieser Artikel wurde mit Blogie erstellt.

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